Aufstieg der Wahhabiten und des Hauses Saud

Muhammad ibn Saud, erster Imam der saudischen Dynastie, und Muhammad ibn Abd al-Wahhab, islamischer Religionsgelehrter und bedeutende Person der Wahhabiya, trafen sich 1745 in Dariya.

Beiden kam diese Zusammenkunft gelegen, Muhammad ibn Saud strebte nach Expansion und schloss sich der streng religiösen Erneuerungsbewegung an. Muhammad ibn Abd al-Wahhab wollte seine religiösen Reformen verbreiten und suchte nach politischer Unterstützung.

Mit der Unterwerfung der Stämme ging auch deren Bekehrung zur Wahhabiya einher. Die Verbindung von Glauben und Politik legitimierte die saudische Dynastie aus religiöser Sicht. Muhammad ibn Abd al-Wahhab ehelichte eine Tochter des Muhammad ibn Saud.

Abd al-Aziz ibn Muhammad, Sohn von Muhammad ibn Saud, übernahm um 1750 die Führung der Kriegszüge und wurde nach dem Tod seines Vaters 1765 zum zweiten Herrscher der saudischen Dynastie. Trotz einiger Niederlagen waren die Expansion und die Verbreitung der Lehre von Erfolg gekrönt. So wurde unter anderem 1773 Riad und 1801 Mekka eingenommen. 1803 wurde Abd al-Aziz ibn Muhammad in Mekka von einem Schiiten während des Gebets ermordet. Gründe hierfür sind wohl in der starken Expansionspolitik zu suchen. 1802 eroberten und plünderten Wahhabiten Kerbala, das Grab des Märtyrers Al-Husain ibn ‚Alī – eines der wichtigsten Heiligtümer der Schiiten – wurde zerstört. Saud I. ibn Abd al-Aziz, Sohn von Abd al-Aziz ibn Muhammad und nach dessen Tod Führer des Wahhabitenreichs, leitete bereits seit 1788 die Feldzüge, unter anderem auch die Einnahme von Mekka.

Die Besetzung der Heiligen Städte und die Machtbestrebungen der Sauds provozierten jedoch eine Reaktion des osmanischen Sultans. Die Wahhabiten sollten aus Mekka und Medina vertrieben und das Reich der Wahhabiten zerschlagen werden. Muhammad Ali Pascha, Vizekönig von Ägypten, wurde damit beauftragt. 1812 besetzten die Ägypter, trotz einiger Rückschläge, Medina und 1813 Mekka.

Saud I. ibn Abd al-Aziz verstarb 1814, sein Sohn Abdallah I. ibn Saud, der schon die Kämpfe gegen die Ägypter führte, übernahm den Thron. Auf Grund der Niederlage von 1817 verbündeten sich etliche Stämme mit den Ägyptern. Nach heftigen Kämpfen kapitulierte die Stadt Dariya 1818, Abdallah I. ibn Saud wurde von den Ägyptern gefangen genommen und an die Osmanen ausgeliefert. Noch im selben Jahr wurde der saudische Herrscher in Istanbul hingerichtet. Zahlreiche Mitglieder der saudischen Dynastie wurden nach Kairo deportiert. Die wahhabitische Lehre hatte sich unter den Stämmen bereits gefestigt und überstand die Niederlage der Saud.

Es folgten dynastische Machtkämpfe sowie etliche Unterwerfungen und Besetzungen, nur vorübergehend konnte die alte Machtstellung zurück gewonnen werden, beispielsweise unter Turki as-Saud, der Riad um 1824 einnahm. 1884 wurde die saudische Dynastie durch die Schammar gestürzt und ins Exil nach Kuwait vertrieben. Erst Abd al-Aziz ibn Saud brachte eine bedeutende Wendung in der Geschichte der saudischen Dynastie und Saudi-Arabiens.