Sitten & Bräuche der Araber

Traditionen beeinflussen das Leben der muslimischen Frauen und Männer.

Es kann nicht immer klar abgegrenzt werden, an welchem Punkt die Religion endet und die Tradition beginnt. Einige Traditionen widersprechen dem Islam, manche Bräuche sind gemäß dem Islam sogar verboten. Und trotzdem spielen die Bräuche und Sitten, vor allen Dingen in den ländlichen Gegenden von Saudi-Arabien, eine zentrale Rolle.

Wichtige Traditionen, sowohl in den Städten als auch auf dem Land, sind die Gastfreundschaft und der Respekt vor älteren Menschen. Die Verschleierung der muslimischen Frau zeigt sich überall. Die traditionelle Hochzeitszeremonie findet sich in den Metropolen des Königreichs, jedoch überwiegend in den ländlichen Regionen und Ortschaften.

Zwangsheiraten beispielsweise widersprechen eigentlich der Religion, sind jedoch auch heutzutage noch üblich. Der Islam verurteilt jede Art von Zwang. Und gemäß einer Überlieferung riet der Prophet einer jungen Frau, die zur Heirat gezwungen wurde, ihren Ehemann jedoch nicht liebte, sich von diesem scheiden zu lassen.

Der Kontakt zwischen heiratsfähigen Männern und Frauen ist verboten, dementsprechend übernehmen die Familien die Vermittlung. Die Zustimmung der zukünftigen Ehepartner ist häufig nur obligatorisch. Die „machr“ (Morgengabe) ist kein Preis für die Frau, sondern eine Entschädigung wegen der Trennung von ihrer Familie und ermöglicht der muslimischen Frau eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit. Häufig wird ein zuvor vereinbarter Teil der machr für die Festlichkeiten (Speisen, Getränke, Brautkleid, Brautschmuck etc.) und die Einrichtung des Hausstandes ausgegeben. Die Ehefrau erhält in der Regel den größeren Teil der Morgengabe in Form von Bargeld.

Die Geschlechtertrennung ist während der traditionellen Hochzeit üblich. Frauen und Männer feiern an unterschiedlichen Orten. Meist sehen sich die Brautleute das erste Mal am Abend ihres Hochzeitstages. In den Städten ist es jedoch mittlerweile üblich, dass sich die zukünftigen Eheleute vor der Hochzeit treffen, um miteinander zu sprechen. Bei dieser kurzen Zusammenkunft sind natürlich die Familien anwesend. Liebe gilt als ein Prozess und entwickelt sich (im günstigen Fall) im alltäglichen Miteinander und bei der Bewältigung gemeinsamer Probleme.

Am Abend erreicht das Brautpaar, meist in Begleitung der beiden Mütter, das Fest der Frauen. Eine kurze Begrüßung bestehend aus Klatschen, Rufen und schrillen Trillern und schon verschwinden Braut und Bräutigam im Elternhaus des Mannes. Im eigenen Zimmer ist das frisch vermählte Paar zum allerersten Mal allein, der Bräutigam übergibt seiner Braut die machr (komplett oder eine Teilrate), bevor er sie zum ersten Mal unverschleiert sieht.

Allerdings wurde in den letzten Jahren mit einigen Traditionen gebrochen. Die Berufstätigkeit der Frauen, insbesondere der Mütter, war vor einigen Jahren noch undenkbar. Heute nehmen zahlreiche muslimische Frauen aktiv am Berufsleben teil, das weibliche Arbeitskräftepotenzial steigert sich jedes Jahr um knapp 5%.